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Unterschiede zwischen Verliebtheit und wahrer Liebe

Es gibt nur wenige Begriffe, über die wir Menschen so unterschiedliche Vorstellungen haben wie gerade über Verliebtheit und Liebe. Obwohl die meisten das Gefühl haben, beide Begriffe leicht unterscheiden zu können, stellt man bei einem detaillierteren Vergleich schnell fest, dass unsere Vorstellungen gerade in Bezug auf diese beiden Begriffe überaus verschieden sind.

Verliebtheit wie auch Liebe können wir in allen Kulturen und auch bei höher entwickelten Tieren beobachten. Bei unserer Vorstellung hakt es jedoch oft schon bei der Vorstellung der romantischen Liebe: Existiert sie oder existiert sie nicht, leben wir sie, oder handelt es sich vielleicht um etwas völlig anderes, das wir zufällig fälschlicherweise als romantische Liebe bezeichnen? Das ist umso interessanter, weil es sich um Begriffe handelt, um die sich ein Großteil unseres Lebens dreht.

Die REI-Theorie enthüllt, dass es sich bei Verliebtheit und Liebe um zwei völlig verschiedene Denkprozesse handelt, die außer der Tatsache, dass sie uns mit einer anderen Person verbinden, nicht viel gemeinsam haben. Währenddessen ist Verliebtheit durch REI betrachtet nichts anderes als die größte Lüge in unserem Leben. Die größte deshalb, weil unsere drei Verstande uns einheitlich eine völlig unwirkliche Vorstellung von einer bestimmten Person erschaffen. Da es sich um unseren eigenen Geist handelt, kann uns in einem solchen Zustand niemand von unserer unrealistischen Vorstellung abbringen. Dennoch ist Verliebtheit eines der wunderbarsten Erlebnisse, besonders für diejenigen, die ihre eigene Welt nicht akzeptieren. Bei der Verliebtheit vereinen sich unsere Verstande vorübergehend in ihren ansonsten unterschiedlichen Ansichten. Diese Harmonie zwischen ihnen ist für uns ein völlig neuer, unbekannter Geisteszustand, den wir jedoch fälschlicherweise gerade der Person zuschreiben, in die wir verliebt sind.

Bei der wahren Liebe geht es jedoch nicht um Lügen, sondern ganz im Gegenteil – um die Wahrheit. Die Wahrheit spielt bei der Verbindung zweier Welten eine so wichtige Rolle, dass wahre Liebe nur jene Paare erleben können, bei denen beide Partner ihre eigene Welt vollkommen akzeptieren. Ohne dies kann sich zwischen Partnern lediglich eine mehr oder weniger qualitative Partnerverbindung etablieren, die jedoch, auch wenn tiefe Gefühle im Spiel sind, nicht mit wahrer Liebe zu verwechseln ist.

Gibt es etwas, das man romantische Liebe nennen könnte? Das gibt es in Wirklichkeit nicht, es ist lediglich eine falsche Vorstellung davon, dass die Verliebtheit bis zum Ende unseres Lebens andauern sollte. Diese völlig verfehlte Vorstellung verursacht bei vielen anhaltende Unzufriedenheit in zahlreichen Beziehungen, da wir uns nicht bewusst sind, dass selbst die größte Verliebtheit früher oder später verschwindet (im Durchschnitt dauert sie zwischen fünf bis sechs Monate, sehr selten bis zu zwei Jahre). Der Rausch der Verliebtheit ist besonders für Nicht-Akzeptierende so verlockend, dass sie ihm einfach nicht widerstehen können und sich deshalb ewig nach einem Partner sehnen, der ihnen dieses Gefühl lebenslang garantieren würde – einen solchen gibt es natürlich nicht.

Viele bringen das Phänomen der Verliebtheit mit der „Chemie“ in Verbindung, die für das Durcheinander im Kopf verantwortlich sein soll. Es handelt sich um eine Mischung aus Hormonen, Endorphinen, Serotoninen, Dopaminen, Oxytocinen, Vasopressinen und anderen Substanzen, die in unserem Gehirn bestimmte Gefühle auslösen. Aber das ist ungefähr so, als würde man dem Kraftstoff im Autotank die Ursache dafür zuschreiben, dass wir einen Ausflug gemacht haben. Wir alle wissen jedoch, dass uns unser Wunsch, ein Ausflugsziel zu besuchen, zum Ausflug bewogen hat, während das Fahrzeug lediglich das Mittel ist, das uns dies ermöglichte, und der Kraftstoff das Mittel, das dem Fahrzeug die Bewegung ermöglichte. Der Kraftstoff hat somit nur eine indirekte Verbindung, spielt aber keinesfalls die entscheidende Rolle beim Ausflug.

Sind für unsere falschen Vorstellungen die Medien, Filme, Literatur verantwortlich, die uns falsche Bilder von ansonsten nicht akzeptierenden Partnern malen, die sich auf den ersten Blick verlieben und daraus eine dauerhafte romantische Beziehung erschaffen? Das stimmt teilweise, noch mehr Schuld muss jedoch unserer Unwissenheit zugeschrieben werden.

Helen Fisher entdeckt, dass bei Verliebtheit verschiedenste Teile des Gehirns aktiviert sind, was auch mit der REI-Theorie übereinstimmt, da die vereinten Verstande zum ersten Mal eine harmonische Zusammenarbeit erschaffen, wobei sie ihre unterschiedlichen Sichtweisen auf die Dinge aufgeben. Weil der Mensch in einem solchen Zustand die reale Vorstellung von dem Geschehen um ihn herum völlig verliert, widersprechen sich die Verstande nicht, wie es ansonsten für den Großteil unseres Lebens typisch ist. Gerade dieser Widerspruch ermöglicht uns eine größere Objektivität.

Der Fokus des Verliebten liegt auf der Suche nach Bestätigungen, um eine Bestätigung über die gleichen Gefühle bei der geliebten Person zu erhalten. Dabei achtet er auf die kleinsten Dinge, die ihm eine Bestätigung geben könnten, andererseits übersieht er leicht alles, was dagegen spricht. Auch daran ist die Zusammenarbeit zwischen den Verstanden schuld, die einander die Realität vor allem deshalb verschönern, um so ihr gemeinsames Ziel zu erreichen.

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